Schriftklassifikation nach DIN 16518 – Teil 1


Die DIN-Norm DIN 16518 regelt das in Deutschland gebräuchliche Klassifizierungssystem für Schriftarten. Die verschiedenen Schriftarten werden demnach entsprechend ihrem Charakter und ihrer Formgebung insgesamt elf Gruppen zugeordnet.

In einer Reihe von Beiträgen möchten wir Ihnen gerne das Klassifizierungssystem vorstellen, erklären die Unterschiede und zeigen Ihnen mögliche Einsatzzwecke für die einzelnen Schriftklassen.

1. Venezianische Renaissance-Antiqua

Zur Klasse 1 der Schriftenklassifizierung (Venezianische Renaissance-Antiqua) zählen Schriften aus der Frühzeit der Druckkunst (etwa von 1465 bis 1530).

Formprinzip und Merkmale

Schriftmuster Venezianische Renaissance-Antiqua

Die Formgebung der Lettern ergibt sich aus dem Schriftbild einer Breitfeder. Da diese beim Schreiben schräg angesetzt wird, liefert sie charakteristische Merkmale:

• Schräg verlaufende Dachansätze
• Kräftig ausgeprägte Serifen
• Oft abgerundete Serifenenden
• Serifenunterkante häufig gekehlt
• Offene Buchstabenformen
• Nach links geneigte Schattenachse
• Meist schräg liegender Querstrich des e
• Strichstärkenunterschiede fallen nicht markant auf
• Majuskeln oft mit geringerer Höhe als die Oberlängenhöhe

 

Schriftbeispiele

Italia, Tiffany, Centaur, Schneidler, Weidemann

 

Wirkung und Einsatzgebiete

Venezianische Renaissance-Antiqua wirken zum einen durch ihre gewisse Unregelmäßigkeit organisch, spannungsvoll und lebhaft. Da sie des Weiteren auch einen antiquierten, altmodischen und würdigen Charakter haben, finden diese Schriften z.B. in der klassischen Literatur Anwendung und wenn Tradition, Bestand und Seriosität vermittelt werden soll.

 

2. Französische Renaissance-Antiqua

In der Schriftklasse Französische Renaissance-Antiqua, der Klasse 2, finden sich Schriften, die sich ab Mitte des 16. Jahrhunderts in Frankreich aus den venezianischen Druckschriften entwickelten.

Formprinzip und Merkmale

Schriftmuster Französische Renaissance-Antiqua

Die Französischen Renaissance-Antiqua lassen sich von den venezianischen Varianten durch eine allgemein feinere gleichmäßigere Ausgestaltung des Schriftbilds unterscheiden. Die Abgrenzung der beiden Klassen ist jedoch nicht immer eindeutig.

• Schräg verlaufende Anstriche/Dachansätze
• Querstrich des e praktisch waagerecht
• Majuskeln oft mit geringerer Höhe als die Oberlängenhöhe
• Offene Buchstabenformen
• Optische Achse der Rundformen: Leicht nach links geneigt
• Serifenübergänge: Rund
• Serifenunterkante: Leicht bis wenig gekehlt
• Strichstärkenunterschiede deutlicher als bei der Venezianischen Renaissance-Antiqua

 

Schriftbeispiele

Garamond, Palatino, Meridien, Sabon, Minion

 

Wirkung und Einsatzgebiete

Französische Renaissance-Antiqua haben meist ein ruhiges und ausgeglichenes Schriftbild, was einen soliden Eindruck vermittelt und zu einer sehr guten Lesbarkeit führt. Diese Schriften werden daher von allen Schriftklassen am häufigsten als Grundschrift für Romane eingesetzt.

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