Schriftklassifikation nach DIN 16518 – Teil 2


Im zweiten Teil unserer Beitragsreihe über die Schriftklassifikation nach DIN 16518 stellen wir Ihnen die Schriftklassen 3 und 4 – das heißt die Barock-Antiqua sowie die Klassizistischen Antiqua – vor.

Sie erfahren etwas über die spezifischen Merkmale, erhalten anschauliche Schriftbeispiele und bekommen die jeweiligen Wirkungen und mögliche Einsatzgebiete aufgezeigt.

3. Barock-Antiqua/Vorklassizistische Antiqua

Zu den Barock-Antiqua zählen Schriften, die sich – einhergehend mit dem technischen Fortschritt im Druckgewerbe – ab der Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelten.

Formprinzip und Merkmale

Schriftmuster Barock-Antiqua

Mit dem Beginn des 17. Jahrhunderts dringt allmählich das Verfahren des Kupferstichs durch, wodurch sich die Formgebung der Lettern verfeinert.

• Flache Serifen ohne Kehlungen
• Horizontale Stand- und Kopfserifen der Großbuchstaben sind symmetrisch
• Querstrich des e waagerecht
• Endungen oft in Tropfenform
• Fast geschlossene Buchstabenformen
• Schattenachse steht beinahe senkrecht
• Kräftige Kontraste zwischen Haar- und Grundstrichen
• Deutliche Unterschiede zwischen feinen Auf- und dickeren Abstrichen
• Abschlüsse der Oberlängen weniger angeschrägt als bei den Renaissance-Antiqua

 

Schriftbeispiele

Janson, Fournier, Baskerville, Cochin, Times, Slimbach

 

Wirkung und Einsatzgebiete

Der Charakter ist etwas kühler und linearer, als der ihrer Vorgänger. Einsatzgebiete finden sich in Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen.

 

4. Klassizistische Antiqua

Diese 4. Schriftklasse umfasst Schriften, die sich ab Mitte des 18. Jahrhunderts ausbreiten.

Formprinzip und Merkmale

Schriftmuster Klassizistische-Antiqua

Klassizistische Antiqua wurden mit Lineal und Zirkel gefertigt, um den klassischen Vorstellungen von Klarheit und Norm gerecht zu werden.

• Ausgeprägte Unterschiede in den Haar- und Grundstrichstärken
• Waagerechte, lange, fein auslaufende Serifen ohne ausgerundete Übergänge zu den Grundstrichen
• Serifenunterkante: Steht gerade auf der Grundlinie
• Fast geschlossene Buchstabenformen
• Senkrechte Schattenachse
• Oberlängen der Minuskeln gleich Versalhöhe
• Waagerechter e-Strich
• Gleichmäßige Breite der Majuskeln
• Gerade Dachansätze der Majuskeln

 

Schriftbeispiele

Bodoni, Didot, Unger, Walbaum

 

Wirkung und Einsatzgebiete

Aufgrund ihrer zwar grazilen, aber äußerst statischen und linearen Wirkung sind Klassizistische Antiqua eher weniger für lange Textmengen geeignet. Diese Schriften haben sich jedoch beispielsweise bei Modelabels und in Fashionmagazinen etabliert.

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