Schriftklassifikation nach DIN 16518 – Teil 5


Im letzten Teil unserer Beitragsreihe erfahren sie mehr über die Schriftklassen 9,10 und 11 der Schriftklassifikation nach DIN 16518. Zu diesen Klassen zählen die Handschriftlichen Antiqua, die Gebrochenen Schriften sowie die sogenannten Fremden Schriften.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit unseren Beiträgen die Merkmale, Wirkungen und möglichen Einsatzgebiete der verschiedenen Schriftklassen näher bingen konnten.

9. Handschriftliche Antiqua

In die Klasse 9 fallen alle Schriften, die sich aus den Antiqua ableiten, jedoch vom Schriftkünstler durch Merkmale von Handschriften personalisiert wurden.

Formprinzip und Merkmale

Schriftmuster Handschriftliche Antiqua

• Erscheinungsbild einer Druckschrift entsprechend regelmäßig
• Den Handschriften nachempfunden
• Buchstaben nicht untereinander verbunden

 

Schriftbeispiele

Post Antiqua, Arkona, Vivaldi, Zapf Chancery

 

Wirkung und Einsatzgebiete

Da diese Schriften ebenso wie Handschriften den individuellen Stilcharakter betonen, haben sie ein ähnliches Einsatzgebiet wie Schreibschriften, können aber je nach beabsichtigter Wirkung mehr oder weniger passend sein.

 

10. Gebrochene Schriften

Die Gebrochenen Schriften der Klasse 10 sind in Deutschland vom 12. Jahrhundert bis 1941 gebräuchlich, prägen also vor allem das Schriftbild des Mittelalters.

Formprinzip und Merkmale

Schriftmuster Gebrochene Schriften

Die veränderte Schriftform steht im Einklang mit dem Vordringen des gotischen Baustils, bei dem die Spitzbögen als architektonisches Stilmittel im Vordergrund standen. So zeigt sich auch in der Strichführung der Buchstaben ein deutlich sichtbares „Knicken“, was durch einen abrupt auftretenden Richtungswechsel der Feder entsteht.

• Gebrochene Bögen
• Strichführung der Breitfeder
• Teilweise sehr starke Fett-/Fein-Kontraste
• Oft feine An- und Endstriche
• Schräger e-Strich

 

Schriftbeispiele

Gotische Minuskel, Rotunda, Bastarda, Schwabacher, Fraktur

 

Wirkung und Einsatzgebiete

Mögliche Assoziationen mit Gebrochenen Schriften sind: altmodisch, verstaubt, mittelalterlich, kirchlich, märchenhaft, geheimnisvoll, auffallend, intelligent, schwer und dunkel. Daher eignen sie sich unter anderem für Urkunden und Diplome, kirchliche Literatur und Bibelverse sowie für Gothic- und Horrorliteratur.

 

11. Fremde Schriften

Die Gruppe der Fremden Schriften fasst im Wesentlichen griechische, hebräische, kyrillische, arabische und fernöstliche Schriften sowie die Bilder- und Symbolschriften zusammen – also alle Schriften, die nicht lateinischen Ursprungs sind.

Schriftmuster Fremde Schriften

Schriftbeispiele

Chinesische Schriften, Hebräische Schriften, Japanische Schriften, Indische Schriften, Kyrillische Schriften

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